Als zweitgrösste christliche Feiertage bringen Ostern einige kulinarische Traditionen mit sich; Darunter auch die beliebten Osterchüechli – ob mit Mürbe- oder Blätterteig, mit Reis- oder Griessfüllung, ob mit Rosinen oder ohne; Bei dieser Vielzahl an Interpretationen findet wohl jeder den für sich passenden Osterkuchen. Doch wo hat der Osterkuchen denn eigentlich seinen Ursprung und welche Rezeptur ist nun «die richtige»: Wir haben für Sie recherchiert und belichten im folgenden Artikel den «Mythos Osterchüechli» etwas genauer und verraten Ihnen zum Schluss unser eigenes «Lieblingsrezept» des Schweizer Osterklassikers, an dem sich so gerne die Gemüter scheiden.

Die Geschichte des Osterkuchens

Mehreren Überlieferungen zufolge gab es einen sogenannten «Osterkuchen» schon im Jahre 962. Genaueres wird darüber jedoch nicht berichtet und so können wir uns nicht sicher sein, ob die Rezeptur dieses mittelalterlichen Osterfladens mit derjenigen der heute bekannten Osterchüechli verglichen werden kann.
Gleiches gilt auch für die «Osterfladen» welche in Basel im 14. Jahrhundert an Ostern durch den Leutpriester gesegnet und als Geschenke an die Aussätzigen verteilt wurden.

Ein erstes mit dem «Osterchüechli» vergleichbares Rezept findet sich in Anna Weckers «Ein new Kochbuch» aus dem 16. Jahrhundert. Mit ihrem Kochbuch, welches übrigens als erstes von einer Frau verfasstes gedrucktes Kochbuch gilt, unterstütze sie ihren Mann, den Colmarer Stadtarzt, mit ihrem Wissen über Diätetik. Und so stellt ihr Buch eine Sammlung von Rezepten dar, mit welchen die verschiedensten Krankheiten geheilt oder ihnen vorgebeugt werden konnte. Ihr Reisfladen oder – wie sie ihn nannte – «ein dorten oder fladen von Reiss» galt dabei als Rezept gegen hitziges Fieber, Ohnmacht, bösen Husten, Seitenstechen und viele weitere Krankheiten. Die Rezeptur entspricht fast exakt derer unserer heutigen «Osterchüechli», jedoch fehlt dabei jegliche Verbindung zum Osterfest.


Osterkuchen, Osterfladen, Osterdünne & Co.

Und so kennen wir den Schweizer «Osterchueche», wie wir ihn in Zürich nennen, heute alle als Gebäck mit einem Boden aus Mürbe- oder Blätterteig; Belegt mit einer Masse aus Mandeln und Reis oder Griess. Doch weshalb werden für die Köstlichkeit, welche für einen so wichtigen christlichen Feiertag bestimmt ist, keine edleren Zutaten verwendet?

Betrachtet man das Ganze agronomisch, so kommen die Ostertage im Schweizer Landwirtschafts-Jahr ganz einfach einige Wochen zu früh: Bevor der Import von Lebensmitteln gang und gäbe war, musste die Schweizer Bevölkerung auf saisonale oder lang lagerungsfähige Produkte zurückgreifen. Im Vorfrühling, also in der Zeit um Ostern, waren viele Lager aufgebraucht und neu geerntete Rohstoffe waren noch nicht vorhanden; Wollte man zu Ostern einen Kuchen backen, musste man sich deshalb – wohl oder übel – mit wenig spektakulären Zutaten wie Reis, Griess, Eier, Rahm und Konfitüre zu helfen wissen. Veredeln konnte man seinen Kuchen schliesslich mit Mandeln, Zitronen und Rosinen – Produkten, welche schon damals importiert wurden, deshalb aber auch einen dementsprechend hohen Preis hatten.


«Imholz Osterchüechli»

Unsere Osterchüechli bestehen aus einem Boden aus Mürbeteig, gefüllt mit einem Klecks Aprikosenkonfitüre und einer Reis-Mandelmasse. Wir haben uns dazu entschieden, auf Rosinen zu verzichten, wer diese jedoch gerne mag, kann natürlich nach Belieben welche hinzugeben.

Rezept für einen grossen Osterkuchen

Für den Teig:

150g Butter

50g Rohrzucker

1 Päckchen Vanillezucker

¼ TL Salz

1 Bio Orange (Schale davon)

1 Ei

250g Weissmehl

 

Für die Füllung:

Milchreis:

4dl Milch

100g Reis

1 Prise Salz

90g Butter

80g Zucker

1 Prise Salz

2 Eier (Eigelb und Eiweiss getrennt)

1 Bio Zitrone (Schale davon)

80g Mandeln, geschält und gemahlen

15g Weissmehl

2dl Vollrahm

Nach Belieben 1 Päckchen Vanillezucker. Vanillearoma

50g Aprikosenkonfitüre

Puderzucker zum Bestäuben


Und so geht’s:

Backofen auf 180°C (Heissluft) vorheizen.

Für den Teig Butter, Rohrzucker, Vanillezucker und Salz gut vermischen. Ei und Orangenschale dazugeben und noch einmal gut mischen. Weissmehl zur Masse geben und alles kneten, bis ein glatter Teig entsteht. Teig zwischen zwei Backpapieren ca. 3mm dick ausrollen, in die ausgebutterte, runde Form geben und dicht einstechen. Ca. 30min kaltstellen.

Inzwischen Milch mit Salz aufkochen, den Reis beifügen und unter gelegentlichem Rühren weichkochen.

Für die Füllung Butter schaumig schlagen. Zucker und Eigelb beigeben. Zitronenschale, Mehl und Mandeln beigeben und alles noch einmal gut mischen. Vollrahm, Milchreis (nicht zu heiss) und nach Belieben etwas Vanillezucker zusammenmischen, gut rühren und zur Mandelmasse geben. Eiweiss mit einer Prise Salz aufschlagen und vorsichtig unter die Masse ziehen.

Teigboden mit Aprikosenkonfitüre bestreichen und Füllung darauf verteilen. Osterkuchen im vorgeheizten Backofen ca. 45min auf unterster Stufe backen.

Kuchen auskühlen lassen und vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben.

«Schöni Ostere & en Guete!»